Niemals so wie Ihr

(Präludium)

Wenn ich erzählte, ich trennte mich davon,

was mich am Leben hindert.

Um dann lachend zu verbluten –

Ich wäre ein Irrer – ich werde niemals so sein wie Ihr

 

Ich muss mich nicht dafür entschuldigen,

dass ich der bin, der ich bin.

Und auch, wenn ich ein anderer wäre –

ich werde niemals so sein wie Ihr

 

Und wenn ich mich umsehe –

Ist dort ein anderes Ich?

Ein anderes Ich außer meinem anderen Ich?

Ich glaube nicht – ich werde niemals so sein wie Ihr

 

(Interludium)

Was war ich doch für ein braves Kind:

wohl gewachsen, verheißungsvoll und nicht dumm –

doch kaum entdeckte ich die Stimme, meine Stimme,

und spürte ich Eure wachsende Angst

um Eure Uniformen, Euren Dreck,

und fand ich Liebe, die Ihr nie geben könnt –

Eure Wut, Euer Zorn loderten auf,

brannten nieder, was auf wackligen Stelzen gebaut war …

 

Warum ich manche Texte noch immer

mit tränenerstickter Stimme vortrage?

Weil ich voller Inbrunst lache, weil –

Ich werde niemals so sein wie Ihr

 

Was kann ich dafür, dass ich mich

als Licht im Schatten¸ als Sehender unter Blinden,

als Schiff im Meer und nicht als Kiesel im Beton

empfinde? Nein – ich werde niemals so sein wie Ihr

 

(Postludium)

Und auch, wenn ich im Schatten Eurer goldenen Straßen stehe –

ich werde niemals so sein wie Ihr

Und auch, wenn ich Zeilen schreibe, die niemals Euch rühren werden –

ich werde niemals so sein wie Ihr

Und auch, wenn Ihr mich in einer nebligen Nacht ins Grab werft –

ich werde niemals so sein wie Ihr